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Haut ist das schönste Kleid
Interview mit wehovision, Alexander Wehowski



„wehovision“ das klingt nach Programm. Gibt es eine Botschaft in Deinen Arbeiten?
Ja, ich habe vor vier Jahren dieses Label gegründet, um meine Sicht der Welt ein wenig nach außen zu tragen. Es beginnt mit meinem Namen und beschreibt meine Absicht. Zu Beginn, als ich noch überwie­gend Portraits fotogra­fierte war ich oft erschreckt, wie sehr es gerade Frauen gewohnt sind, sich zu vergleichen und häufig abzuwerten. Dann wieder Be­geisterung, wenn es gelingt sich selbst auszudrücken. Meine Vi­sion sehe ich als erfüllt, wenn ein Modell erkennt, „Mein Lächeln macht mir keiner nach, auch nicht Naomi Campell “! Jeder Mensch ist einzigartig – und es ist wohltu­end mit Menschen zusam­menzu­sein, die den Mut haben, dies zu leben.

Wie kamst du zur Fotografie, folgen deine Werke einem be­stimmten Konzept? Aufgewachsen bin ich in einem sehr kunstinteressierten Eltern­haus, am Wasserfarbkasten in der Schule hab ich vollkommen ver­sagt. Immer wieder auf Ausstel­lungen und lan­gen Reisen den Blick mit der Spie­gelreflex ge­schult und dann von der Digital­fotografie schlagartig beses­sen, seit sieben Jahren Maniac. Als Bildermensch entstehen mir ständig neue Ideen im Kopf. Diese halte ich schriftlich fest und schlage Sie meinen Modellen vor. Wenn der Funke überspringt ma­chen wir uns gemeinsam an des­sen Umsetzung. Bei mir ist Spontanität Konzept. Das bedeu­tet, mit einem großen Ideen­fundus und einer vollgestopften Requisi­tenecke anzufangen und dann über das Konzept hinaus wei­ter­entwickeln.

Wirst Du durch andere Künst­ler, in deiner Arbeit beein­flusst? Hast Du Vorbilder?
Ich bin seit Jahren mit Künstlern der unterschiedlichsten Ressorts be­freundet und so entsteht immer wieder ein Dialog der mich for­dert. Am meisten interessiert mich jedoch der kreative Fluß gemeinsamer Ar­beit an einen guten Bild, egal, ob der andere sich nun Künstler nennt oder seine Art zu Leben ausdrückt. Die Leuchttürme an denen ich mich orientiere, sind die Schlichtheit von Mapplethorpe, die gnaden­lose De­tailperfektion von Bites­nich und der Mut von Rankine. Zugegeben - sehr hohe Vorbilder, aber die leuchten weit.

Was bedeutet Schönheit für dich?
Ausgewogenheit mit Spannung. In Blick und Geste des Modells die Persönlichkeit sichtbar wer­den zu lassen. Ein echtes Erstau­nen ist immer schöner als ein maskenhaftes Lachen.

Du hast in vierzehn Monaten fünfzehn Ausstellungen bestrit­ten, rund 70 Shootings ge­macht, zwei Kalender heraus­gebracht, ein neues Studio bezogen und ein paar Workshops besucht- wie geht das?
Das weiß ich auch nicht. Ich kann nur sagen, wenn ich etwas mache, dann mach ich es ganz. Wenn ich einmal zum Luftholen komme, bin ich sehr zufrieden. Dinge, von de­nen ich letztes Jahr träumte, werden greifbar.

 

Ich bin auch sehr froh darüber, mittlerweile themenspezifische Aus­stellungen anbieten zu kön­nen. Der riesige Fundus, den ich in den letz­ten Jahren erarbeitet habe, gestat­tet es mir, die Bild­auswahl und Prä­sentationsform mit dem jeweiligen Ausstellungs­geber abzustimmen.

Wie kommst du eigentlich zu Ausstellungen? Was wünschen sich die Veranstalter?
Das ist sehr unterschiedlich. Zu Anfang war ich noch zögerlich, in einem Ge­meindehaus als einziger Aktfoto­grafie zu präsentieren. Mitt­ler­weile kommen häufig Anfragen von Organisatoren, denen die kühle Eleganz meiner Bilder ge­fällt und die diese gerne in der Gestaltung ihres Events dabei haben wollen. Bei der Bildauswahl und der Hängung ver­suche ich dann einen Schritt über das  Erwartete hi­nauszugehen. Ein zerrissener Mann inmitten archety­pischer Frauen, eine SM-Szene für eman­zipierte Psychotherapeuten, ein politisches Aktfoto usw. Ich finde es unpassend mit ordi­närer Nacktheit provozieren zu wollen. Mir ist es lieber, wenn ein Paar um­schlungen flüstert: „Spürst du´s auch?“

Wenn du deine zurückliegenden Arbeiten betrachtest. Was fällt dir auf?
Meine Bildersprache wird immer klarer. Ich bin sowohl technisch sicherer geworden, als auch mutiger in der Aussage. So kann ich heute Dinge umsetzen, die mir damals noch nicht wichtig waren. Es ist wie laufen mit den rechten und dem linken Bein, Technik und Kreati­vität- es geht abwechselnd weiter.

Warum betontst Du immer wie­der, daß dir das Feedback von Frauen so wichtig ist?
Das Verständnis vieler Leute von Nacktfotografie ist überholt, immer noch begrenzt von Playmates und Seite 3-Mädchen..., all das machte Frauen zu Objekten und vermied Persönlichkeit. Es entsprach auch der alten, handwerklichen Sicht der Fotografie, weniger der künstleri­schen. Heute kommen emanzipierte Frauen ins Studio, teilweise mit therapeutischer oder tantrischer Vorerfahrung. Das Selbstbewußtsein einer heute 19jährigen kann man mit den 80-er Jahren nicht verglei­chen. Mit diesem sich wandelnden Frauen- und Menschenbild entstand in den letzten Jahren eine neue, künstlerische Sichtweise gegenüber Nacktheit, die jenseits glatter Iko­nen die Einzigartigkeit der Person und Stimmung in den Vordergrund rückt. Dies fordert auch den Be­trachter weit subtiler heraus als bisher. Es geht nicht mehr ums „Habenwollen“, vielmehr läßt sich der Betrachter selbst berühren, ruft eigene Erinnerungen wach.

An deinen Bildern fällt beson­ders auf, wie sehr du mit der Kamera interpretierst. Nur sel­ten ist es die einfache Abbil­dung des gesehenen, fast im­mer überrascht ein Kontrast oder Blickwinkel.
Ja, für mich ist die Kamera nur das Medium das festhält. Ich kann beim Thema Akt nicht so tun, etwas Neues zu entdecken.
Ich will eine Sichtweise vermitteln. Wie oft habe ich in der Vergan­gen­heit gedacht „ Dies wäre das cha­rakteristische Bild, das einen Aspekt dieses Menschen klar erfasst.“ Ein gutes Bild entsteht doch im Kopf.

Der Funke ist übergesprungen, wenn es mir gelingt eine Brücke zwischen meiner Sichtweise und der Phantasie des Betrachters zu schla­gen.

Du bist ja gut vertraut mit elek­tronischer Bildverarbeitung und ich staune manchmal, was da alles möglich ist. Morphing an der Figur, Weichzeichner auf der Haut und Glanzlichter aus der Software. Wie gehst du da­mit um?
Mit der Retusche bin ich deutlich zurückhaltender geworden. Heute entferne ich nur noch die Dinge, die m.A. nicht zum Menschen gehören, wie z. B. Pickel und Fehler im Hin­tergrund. Mir geht es um in­dividu­elle Persönlichkeiten auch mit klei­nen Unvollkommenheiten – Cha­raktere eben. Glatt geschlif­fene Hochglanzideale sind unsere kleinen Tyrannen, die uns hindern unsere Individualität zu leben.

Ansonsten gilt wie zu Dunkel­kam­merzeiten: Ein gutes Bild entsteht in der Kamera. Die Nachbearbeitung kann nur ver­edeln, aber Handwerk nicht erset­zen. Von digitalen Effek­ten bin ich weitgehend abgekom­men, die sehen zwar poppig aus, machen aber das Bild nicht besser. Ich hätte mir nicht träumen lassen, die schwarz-weiß Fotografie so sehr zu favorisieren. Aber gerade diese Beschränkung läßt einen klareren Blick auf Qualität zu. Ein gutes schwarz-weiß Bild ist immer auch in Farbe schön, nicht aber umgekehrt. Da fehlen plötz­lich klare Linien, der konsequente Aufbau oder die Aus­gewogenheit.

Gerade in letzter Zeit hast du viel im Bereich Gothic, SM, und Bondage ausgestellt. Sind dies Deine neuen Themen?
Nein die Themen sind mir schon lange vertraut, ich habe nur ge­zögert damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Diese Bereiche sind durch die digitale Bilderflut nicht gerade gesegnet und ich wollte sicherge­hen, niveauvolle Bilder anbieten zu können. Das positive Feedback zu meinen Ar­beiten auf der BoundconII in München hat mich kürzlich darin bestätigt: „Breitbeinige“ Bilder sind uninteressant geworden. Der Be­trachter will selbst entdecken, ah­nen, weiterdenken. Geist ist geil!

Nach fünfzehn Jahren Yoga  ge­nieße ich dieses körperbewußte Umfeld und schätze die frische Mi­schung aus extrovertiertem Selbst­bewußtsein und gewitzter Selbstiro­nie, wie sie leider nur selten anzu­treffen ist.

Wie geht´s weiter?
Nach diesem bunten Ausstel­lungsjahr habe ich erst mal mein Studio wieder ausgegraben, mich von alten Ballast befreit und nun die Hände frei. Im Bereich Fetisch-, Persönlichkeits- und Paar-Fotografie habe ich sehr interessante Anfra­gen. Ich arbeite an einem Bildband mit erotischen Gedichten einer be­freundeten Künstlerin, werde bald eine bewegliche Lichtinstal­lation aus­stellen und möchte einen richtig knackigen Kalender mit Männer-Akten he­raus­geben. Dann gibt es da noch diese gleiche Serie mit den ganz verschie­denen Frauen....
Life is like surfin’ - so, wie ich es mag.

Vielen Dank für dieses bunte Interview. Wir wünschen Dir  weiterhin viel Erfolg bei Deinen spannenden Projekten!